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Schünemannplatz: Chronik

1938 wurde der Schünemannplatz - gelegen zwischen dem Ricklinger Stadtweg, der Gesmannstraße und der Pfarrstraße - angelegt. Zunächst hieß er Vogesenplatz; benannt nach dem im Ersten Weltkrieg (1914-18) schwer umkämpften elsässischen Grenzgebirge (laut Hannoversches Adressbuch von 1939). In den ersten Jahren war der Vogesenplatz mehr eine Wiese - umgeben von Feldern und Weiden - als ein innenstädtischer Platz, wie heutzutage.

Im Juni 1957 berichtet die Ricklinger Monatspost (RiMoPo), dass der Vogesenplatz neu hergerichtet wurde. Dabei wurden Bänke aufgestellt, eine zweite Skatecke eingerichtet und neue Wege angelegt. Weiter heißt es, dass dringend eine öffentliche Bedürfnisanstalt benötigt wird. Zu dieser Zeit gibt es in ganz Ricklingen keine derartige Einrichtung.

In den späten 1950iger Jahren fanden auf dem Vogesenplatz bei guten Wetter „Altherrntreffen” statt, bei denen kein Bankplatz lange leer blieb, wie in einem Bericht auf Plattdeutsch zu lesen ist. Die Schilderung stammt aus der Feder von Ernst Beck, seinerzeit wohnhaft in der Pfarrstrasse. Er war der Sohn der Totenfrau in Ricklingen.
Der Text wurde von Wilfried Gehrt (Wettbergen) eingesandt, dessen Großvater Wilhelm Sarstedt an den „Altherrentreffen” auf dem Ricklinger Platz regelmäßig teilnahm.
Altherrentreffen auf dem Vogesenplatz: „Weltere deck nich sau lange in Bedde rümme”

1960 stiftete die Ricklinger Baufirma Christian Schünemann einen ebenerdigen Brunnen für den Vogesenplatz. Eine große stilisierte Blume, bei der aus Kugeln an den Blattstielen Wasser in den Brunnen plätschert. 2002 wird diese, aus kleinen und großen Steinen geflasterte Blume, durch die Brunnenskultur „Gabbionen-Brunnen” ersetzt.

1963 bekam der Platz dann seinen heutigen Namen nach dem Bauunternehmer Karl Schünemann (02.12.1882 Ricklingen - 26.07.1934 Hannover), Sohn von Christian Schünemann, dem Gründer des Ricklinger Bauunternehmens, von dem er 1907 die Leitung des Baugeschäftes übernahm.

Der Fachbereich Umwelt & Stadtgrün der Landeshaupstadt Hannover hat uns acht Fotos vom Vogesenplatz, aufgenommen im Jahr 1965, zur Verfügung gestellt, um sie her zu zeigen. Zu erkennen sind die einzelnen Funktionsbereiche des Platzes, wie Kinderspielplatz, Skat- und Schachecken und Flanierwege, die noch nicht von Bäumen und Büschen überwuchert sind und die Nutzerinnen und Nutzer des Platzes in den 1960iger Jahren bei ihren Freizeitaktivitäten. (Wer Bekannte auf den Fotos erkennt, kann sich gerne bei uns melden!)
Schünemannplatz Galerie 1965

1995 findet erstmals der „Tag der Ricklinger” auf dem Schünemannplatz statt.

Neugestaltung

Im Juli 2002 wurde der Platz neu gestaltet. Im Rahmen des Projektes "Hannover schafft Platz" wurden u. a. eine Brunnenskulptur aufgestellt, der Kinderspielplatz erneuert sowie Neupflanzungen und Umbauten durchgeführt.
Die Brunnen wurde gestaltet von Hans-Werner und Jens Kalkmann aus Bodenburg. Der „Gabbionen-Brunnen” wurde aus Granit, Flusskies und Edelstahl erstellt. Gabbione sind mit Steinen gefüllte Drahtgeflechtkörbe.

Gabbionen-BrunnenDer Gabbionen-Brunnen (Aufgenommen am 29.06.2003. © Fidele Dörp)

Beim 9. Tag der Ricklinger am Samstag, 28. Juni 2003, wurde der umgestaltete Schünemannplatz offiziell durch Bürgermeister Bernd Strauch, Bezirksbürgermeisterin Angelika Walther, ARV-Vorsitzenden Karl-Heinz Böker und Frau Sigrid von Berlepsch, Tochter von Christian Schünemann, des Gründers der "Christian Schünemann Wohnungsunternehmen", an die Ricklinger Bürgerinnen und Bürger übergeben. Der Tag der Ricklinger wurde von der Bürgerinitiative Schünemannplatz, die sich für die Verschönerung des Platzes eingesetzt hatte, bis 2005 alljährlich veranstaltet. Danach übernahm die Arbeitsgemeinschaft Ricklinger Vereine (ARV) die Organisation des großen Ricklinger Festes.

Schünemannplatz

Einvernehmliche Nutzung

Knapp zwei Jahre nach der Umgestaltung häuften sich Beschwerden über die alltäglichen Nutzer des Schünemannplatzes. Zunehmend sammeln sich an dem zentral in Ricklingen verkehrsgünstig gelegenen Platz tagsüber Menschen mit problematischen Hintergründen. In aufdringlicher Weise wurde Alkohol getrunken, teilweise die anderen Nutzer des Platzes angebettelt oder auch in anderer Weise belästigt. Hinzu kam, dass in unmittelbarer Nähe des Platzes eine Methadonvergabestelle eingerichtet wurde, so dass sich, besonders an Wochenenden, auch viele Drogenabhängige hier trafen. Eine Nutzung des Schünemannplatzes bzw. des dortigen Spielplatzes durch Kinder war zeitweise so nicht möglich.

Die Stadt Hannover lud neben Anliegern auch verschiedene im Stadtteil aktive Gruppen ein, dieses Problem anzugehen. Unter Federführung des Oberricklinger Karl-Lemmermann-Hauses - Sozialpädagogisches betreutes Wohnen e.V. - wurde ein Konzept zur einvernehmlichen Nutzung des Schünemannplatzes erstellt und so gut umgesetzt, dass es nun auch für weitere Plätze mit problematischen Nutzergruppen in Hannover als Vorbild genutzt wird.

Kooperationsverbund Schünemanplatz

Aus Mitgliedern des Stadtbezirksrates, der Arbeitsgemeinschaft Ricklinger Vereine (ARV), der Interessengemeinschaft (IG) Ricklingen wurde ein Kooperationsverbund gebildet, der unterstützt wird durch das ehemalige Stadtbezirksteam der Vernetzten Dienste Ricklingen, die Arbeitsgruppe „Alkohol auf öffentlichen Plätzen” und einer Beauftragten der Polizeidirektion Hannover. Zusammen mit dem Karl-Lemmermann-Haus klärt dieser Kooperationsverbund Fragen zu ehrenamtlichem Engagement, Einbindung der städtischen Akteure, Aufbau eines Sponsorenkreises und der Durchführung und Koordinierung weiterer Aktivitäten am Platz. Der Kooperationsverbund konnte die Finanzierung zur Fortführung der Maßnahmen im Jahr 2007 durch Eigenleistungen und aus Mitteln der Integrativen Stadtteilarbeit erwirken. (Weitere Informationen zum Kooperationsverbund)

Ihre Mithilfe wird benötigt!

Wenn Sie Erinnerungen an Ereignisse oder auch an das alltägliche Leben auf oder mit dem Schünemannplatz haben - vielleicht sogar alte Fotos - dann melden Sie sich bitte. Es wäre schön, wenn die hier gesammelten Informationen über den Schünemannplatz und seine Geschichte weiter vervollständigt werden könnten!

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Dies ist Fidele Dörp!

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