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Altherrentreffen auf dem Vogesenplatz

„Weltere deck nich sau lange in Bedde rümme ”

Von Ernst Beck

De olen Lüe sünd'r jetz slecht anne. Taun sitten isset buten nich mehr dat rechte Wäer. Awer wenn de Sünne nochmal ut alle Löcker schient, denn koomt se ok nochmal up'n Vogesenplatz in Ricklingen anneslürt. Dä erste de seck up'r Bank dal sätt, dat is Gosekopp Karl Ebrecht. Jeden Sünnabendmorgen bringet hei ne Harke miehe un harket da Eere vonne Bank un vör de Bank, dat et da en beten statsch utsüht. Na un denn isset al so wiet, dat Fritze Seegers ut'r Kaplanstrate na'r Rechten süht. Et künne ja sien dat son paar Tunigels dä Rabatten verposet harren. Et is man recht, dat de Böberen von Stätdschen Garenamte neinen jungen Bengel vör düsset Amt utesocht hebben, denn Fritze het all siene hogen sechziger up'n Baste.

Nu isset all lat genaug, dat de olen Achziger komet. August Kiel het 83, Paul Lissner vom Lämmpchen 85, Freiherr Martin von Moor 80 un de Oberleigenbüdel Karl Ebrecht 75 Jahre up'n Puckel. Da sittet denn wahrhaftig 323 Jahre up einer Bank tauhope.

Up de tweite Bank gaht denn de Snieder ut'r Rudorfstrate, Willi Sarstedt von Stadtwege un Karl Behrens ut'r Nordfeldstrate sitten. Wenn denn Heirich Narten ut'r Nordfeldstrate kummt,seggt hei: "Jungens,dat is ju Glücke, dat jie meck en Platz uppehoben hebbet."

Doch de Oberleigenbüdel Ebrecht make ohne denn trechte: "Weltere deck nich sau lange in'n Bedde rümme, süss kummste up de Muer."
Dat geiht veelen olen Mannsminschen so, et staht nich genaug Bänke up'n Vogesenplatz. Dä denn vör öhr Achterteil neinen Platz find, de halt seck en Stück Pappe ut'n Busche, leggt dat unner seck up de lüttje Muer, un sett seck da hen. Wenn se dat nich maket, kriegget se bie öhren Remmetismus dulle Weihdage. Steiht awer mal einer vonner Bank up, klabastert de Olen, sowiet dat öhre olen Knoken noch taulatet, up de Bank tau ümme ja en angewarmten Platz tau kreegen.

Dä ganzen Ricklinger Olen dränget seck up'n Vogesenplatz. Int Ricklingerholt is et vör sei tau wiet,un denn weetet se ok nich, ob da vör sei noch en Bankplatz frie is. Under den Invaliden is ok de ole Eike von Stadtwege. Wenn hei ok nich alles verstahn kann, watt se seck da vörrömert, so lest hei se dat von Munne afun grient en beten miehe.

Der Rege na komet denn Fritze Schrader von Stadtwege, Karl Harborth ut'r Pfarrstrate, Ludjen Schäfer von Bauverein, Ernst Philips ut'n Gosekopps un Fritze Moritz ut'n Diehlschen Huse anneslürt un settet seck up de Muer. Sei hebbt et alle hille, dat se man blot noch en Muerplatz affkriegt.

Dä eine smöket Kippentabak, de annere röttjert anner Piepen, un wedder annere lickmult mit öhren Zigarenstengel rümme. Tjä, de mot en halwen Dag utholen. So dicke het düsse Olen dat nich mehr liggen.

Wenn awer mal ein von düsse Olen Geburtstag, oder en Paket vonner Dochter e'kregen het, so bringet hei en Buddel miehe, un Willi Kollmeier het denn meist jümmer Slump, dat hei tau rechten Tied kummt un einen afkriegt. In'r Middagsstünne kickt ok mal Fautsnieder Teitge up'n Platz, beiet allen guen Dag, let seck einen ünner de Weste drücken, un haut wedder af.

Se hebbet alle öhre Sorgen, kört davon ob se woll tau Wihnachten en betten mehr Rente krigget, ob de Junge ut Rußland kummt, un so wieder.
Oberleigenbüdel Ebrecht seggt denn woll: "Jeder het siene Lasten, eck hebbe al hüte morgen ümme Klocke fiewe inner Waschköke e'stahn un de Wäsche e'maket. Awer nu kriegt wie dat beter. In'r Pfarrstrate buet se en amerikanischet Waschhus. Man steiht morgens up, waschet seck nich, treckt seck smerige Plünnen an, betahlt föfftig Penge, un denn stecket se einen inne Waschmaschine. Hinne kummt man e'woschen, äffedröget un uppebügelt wier rut. Un wenn man noch en Groschen mehr betahlt, so balbiert se einen ok gliek dabie." HA? HA, HA. Krischäön.

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